Mittwoch, 15. Mai 2013

Die Deutsche Bahn und die Schwarzfahrer


Wir bezahlen für die Schülermonatskarten pro Kind rund achtzig Euro pro Monat. Der Betrag wird von unserem Konto abgebucht, noch nie gab es irgendwelche Zahlungsprobleme, wir sind eigentlich Traumkunden, finde ich.

Schüler ab dem 15. Lebensjahr müssen als Nachweis ihrer Schülereigenschaft die sogenannte Berechtigungskarte zur Benutzung von Schülerzeitkarten mit sich führen. Auf diesem schicken, bahneigenen Formular bestätigt die Schule, dass der Fahrkarteninhaber tatsächlich dort beschult wird. Damit das alles auch seine Richtigkeit hat, muss die Bahn die Karte gegenzeichnen, erst dann gilt sie.

Man könnte natürlich in die Beförderungsrichtlinien aufnehmen, dass bei Schülern ein gültiger Schülerausweis mitzuführen und auf Verlangen vorzuzeigen ist, aber das würde den bürokratischen Aufwand unnötig verringern und vermutlich die Fahrkartenkontrolleure intellektuell überfordern – ich gehe davon aus, des Schülerausweise nicht einheitlich sind, so dass dem Betrug Tür und Tor geöffnet würde.

Unsere Tochter wurde kontrolliert. Der Berechtigungsausweis war seit kurzem abgelaufen, wir hatten das nicht bemerkt. Der Schülerausweis wurde nicht akzeptiert, siehe oben.  Der Kontrolleur hatte eine Auszubildende dabei und wollte ihr nun vorführen, wie mit Schwarzfahrern umzugehen ist. Unsere Tochter wurde über mehrere Bahnstationen quasi erkennungsdienstlich behandelt. Fingerabdrücke wurden keine genommen, da hatte sie Glück. Sie durfte auch gerade noch an der richtigen Station aussteigen, ich weiß nicht, was der Kontrolleur gemacht hätte, wenn zu diesem Zeitpunkt die Daten noch nicht vollständig in seinem Computer eingegeben worden wären.

Heim kam unsere Tochter dann mit einem langen Ausdruck: Frau XY, geboren am, und so weiter, muss die Fahrpreisnacherhöhung von € 40,00 (inzwischen sind das übrigens € 60,00) bezahlen oder nachweisen, dass es einen gültigen Fahrausweis gab. Nachzuweisen ist dies durch das Einscannen des Fahrausweises und Übermittlung an diese Seite. Die Damen im Reisezentrum konnten uns nicht helfen, das müsse online gemacht werden, einfach so ganz naiv die Unterlagen vorzulegen am nächsten größeren Bahnhof, das ist viel zu einfach, geht nicht.

Selbstverständlich haben wir umgehend die Berechtigungskarte erneuert. Ich habe alles eingescannt und unter Angabe der FN-Nummer eine Nachricht an das oben verlinkte Schwarzfahrerportal geschickt, und jetzt das Antwortschreiben auf dem Postweg erhalten:

„Sehr geehrte Frau DukeimNetz,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom xxx. Wir bedauern, dass Ihr minderjähriges Kind am xxx während seiner Fahrt von xxx nach xxx in die unangenehme Situation einer Fahrpreisnacherhebung kam.

Ihre Tochter konnte keine gültige Berechtigungskarte vorlegen.

Wir haben Ihre Unterlagen geprüft und reduzieren unsere Forderung auf den Betrag von € 7,00. Geben Sie dabei die Nummer der Fahrpreisnacherhebung an.

Sehr geehrte Frau DukeimNetz, wir wünschen Ihrer Familie künftig eine gute Fahrt.

Mit freundlichen Grüßen
DB Vertrieb GmbH
Fahrpreisnacherhebung“

Die € 7,00 werde ich brav überweisen, trotzdem täglich dankbar sein, wenn meine Kinder überhaupt irgendwann ankommen, die mindestens drei Verspätungen pro Fünftagewoche gelassen hinnehmen, nicht nachrechnen, wie viele Stunden ich schon am Bahnhof auf die verspäteten Kinder gewartet habe (es fährt kein vernünftiger Anschlussbus in unseren Teilort), nicht ausrechnen, wie viel Benzin ich schon verfahren habe, weil Züge ganz ausgefallen sind (Stuttgart 21 betrifft unsere Strecke, Weichen- und andere technische Probleme sind Standard), nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn meine Tochter vor einem Jahr so angegangen worden wäre – die jahrelange Aufbauarbeit, die es überhaupt möglich gemacht hat, dass sie selbständig Zug fährt, wäre zunichte gemacht worden.

Trotz eigentlich gültiger Fahrkarte.

Daher: kontrolliert gegebenenfalls alle bahn-amtlichen Zusatzdokumente, sonst werdet ihr, bzw. eure Kinder, unversehens zum Verbrecher ;-)

Sonntag, 12. Mai 2013

Hyperaktives Lesen

© shandrus - Fotolia.com


Bücher kommen gleich nach Schokolade – beides ist lebensnotwendig, und ich zeige Entzugserscheinungen, wenn eines davon nicht greifbar ist. Ich habe die  „Luxusvariante“ des Leseausweises für die Stadtbücherei der Kreisstadt. Diese beinhaltet das kostenlose Ausleihen von ansonsten zuschlagpflichtigen Bestsellern, und erlaubt eine unbegrenzte Zahl an Medien gleichzeitig mitzunehmen. Außerdem ist unsere Bücherei an die Onleihe angeschlossen, ich kann also eBooks ausleihen.

Das ist für einen Lesejunkie das Paradies – eigentlich. Wenn ich bei Kunden in der Kreisstadt vorbeischaue, mache ich noch kurz einen Ausflug in die Bücherei. Meistens komme ich gar nicht über das Erdgeschoss hinaus, denn dort befindet sich die Abteilung mit den Bestsellern und den Neuanschaffungen. Ich stehe mit leuchtenden Augen davor und ergänze meine innere Liste der unbedingt zu lesenden Bücher. Gleichzeitig muss ich den Terminplan der nächsten vier Wochen durchdenken, denn fast immer werden die Bestseller von anderen Lesern vorbestellt, so dass ich sie nicht verlängern kann. Wie viel Zeit bleibt mir also zum Lesen, bis ich mich wieder trennen muss ? Ich gehe meistens mit mehreren Büchern heim. Viele davon sind Sachbücher für zwischendurch, und ich bin stets davon überzeugt, dass ich sie schaffen werde bis zum Rückgabetermin. In meinem Wohnzimmerschrank gibt es ein Regal nur für ausgeliehene Bücher, und dieses ist stets gut gefüllt.

Noch viel verführerischer ist die Onleihe. Mit wenigen Klicks ist das jeweilige Buch auf dem Reader oder Tablet, es kostet mich nichts zusätzlich, es gibt keine Wartezeiten, nichts. Leider habe ich auch hier ein großes Entscheidungsproblem und leihe daher aus purer Verzweiflung mehr Lesestoff aus, als ich schaffen kann.

Dass eine meiner ersten „Freundschaften“ im Internet die enge Kundenbeziehung zu einem großen Onlinebuchhändler war, dürfte niemanden überraschen. Da trotzdem auch der Buchhandel vor Ort unterstützt werden muss, entscheide ich oft genug spontan, dass so manches Buch dauerhaft und für die lesenden Kinder als Option in unseren Bestand gehört. Ich kaufe eben lieber Bücher als Schuhe.

Die Frage nach dem Buch, das ich gerade lese, kann ich nie spontan beantworten. Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig, meistens drei bis fünf Stück parallel. Nur, weil ich gestern den Thriller angefangen habe, heißt das ja nicht, dass mir heute der Sinn nach Leichen ist, im Gegenteil, jetzt gerade lacht mich das Sachbuch über Controlling an, und nachher werde ich das schicke Kochbuch durchblättern bei der Planung der nächsten Woche. Und so weiter…
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Das alles hat aber auch eine Kehrseite. Während früher, in den analogen Zeiten, also im letzten Jahrhundert, meine Stapel ungelesener Bücher überschaubar waren, bin ich jetzt umzingelt von termingebundenem Lesestoff. Fünf interessante eBooks laufen in drei Tagen ab, der wahnsinnig spannende Bestseller muss in zwei Wochen abgegeben werden, das tolle Kochbuch, das ich kürzlich ausgeliehen habe, wurde noch immer nicht getestet, die Schenkbücher von Weihnachten und Geburtstag lachen mich an, aber ich lese sie nicht, weil hier ja keine Rückgabefrist drängt.

Dank Cookies werden mir bei jedem Besuch einschlägiger Seiten weitere interessante Bücher vorgeschlagen. In Buchhandlungen liegen Prospekte aus, die ich immer mitnehmen muss, es geht einfach nicht anders. Von allen Seiten ruft es „Lies mich !“. Es ist paradiesisch, dass ich fast immer und überall sofort genau das lesen kann, was mir gerade in den Sinn kommt, aber es ist tatsächlich manchmal zu viel auf einmal.

Ich bin mir sehr sicher, dass ich als Rentner keine Langeweile haben werde. Im Idealfall stelle ich die Schriftgröße meines Readers auf L und lese, lese, lese – alles, was gerade neu erschienen ist, und alles, was ich über die Jahre in den Regalen angesammelt habe. Bis dahin werde ich eben die Zeitfenster des Alltags nutzen – Wartezeiten vor Terminen, Nachtschichtnächte des Gögas, Ferienzeiten.


Montag, 18. Februar 2013

XXL-Schnitzel im Schnitzelparadies



In unserer Kreisstadt hat eine Niederlassung einer Schnitzelkette eröffnet. Der besondere Gag dort sind wohl die XXL-Portionen – Schnitzel bis zum Abwinken. Meine Familie liebt Schnitzel, und sie ist gefräßig. Und daher dachte ich, nun lasse ich mal alle ethischen Bedenken weg und gönne der Brut einen Abend mit geklebten Pseudoschnitzeln.

Natürlich habe ich bei dem Preis und bei der offensichtlichen Ausrichtung auf Gäste, denen es mehr um Masse als um Qualität geht, kein besonderes Ambiente erwartet. Es war klar, dass das Schnitzel für neunneunzig nicht so lecker sein würde wie das liebevoll angerichtete Schnitzel im gutbürgerlichen Restaurant für achtzehn Euro.

Der Laden liegt in einer Seitenstraße in einem heruntergekommenen Altbau. Eine uralte Kneipe war offensichtlich reaktiviert und im Design der Schnitzelkette notdürftig renoviert worden, aber es war durchaus gemütlich und sauber. Das Personal war freundlich und schnell, da gab es nichts zu meckern. Das Publikum war durchwachsen, sehr viele Menschen, die sicher nicht unbedingt besonders gebildet waren, Modell „Ey, Alder!“, einige sehr junge Gäste, aber okay.

Ich bestellte ganz bescheiden ein Ladyschnitzel mit Pommes extra, denn die waren im Preis nicht enthalten. Das fand ich zwar seltsam, aber ich bemerkte dennoch nicht den skeptischen Blick der Bedienung. Die Kinder wollten dann doch alle nicht das berühmte XXXXXL-Schnitzel, sondern nahmen normale Portionen. Eine Cola war erlaubt, aber maximal 0,5 l – es gibt dort bis zu Dreilitergläser Cola…

Und dann kam das Essen, und mit ihm der Schock. Hätte ich die Speisekarte genauer gelesen, wäre mir aufgefallen, dass alle Schnitzelgerichte auf der Karte mit XXL-Fleisch serviert wurden. Jeder von uns hatte mindestens vier Scheiben Schnitzel auf dem Teller, so dass alles über den Rand hinaushing. Unter den Fleischbergen waren dann die Beilagen. Auf dem Bild oben sieht man eine bereits angefangene Portion, es fehlen also ein oder zwei riesige Scheiben.

Ich mag Schnitzel, es sah lecker aus, also fing ich mal an zu essen. Der Kellner meinte, man gehe immer davon aus, dass die Gäste den Rest mit heimnehmen, es gebe daher standardmäßig Verpackungsmaterial am Ende der Mahlzeit.

Noch einmal – ich habe wenig erwartet. Aber das wurde deutlich unterboten.

Diese Schnitzel sind groß und dünn. Sehr, sehr dünn. So dünn, dass stellenweise deutlich mehr Panade als Fleisch vorhanden ist. Man isst also Panade mit papierdünner Fleischfüllung. So sehr ich Panade mag – diese Menge, in nicht wirklich leckerem Fett gebacken, das widersteht einem recht schnell. Mir zumindest, denn das Stammpublikum schaufelte und schaufelte, und auch meine Kinder mampften vor sich hin. Sie zeigten aber recht früh deutliche Ermüdungserscheinungen.

Letzen Endes mussten wir ungefähr die Hälfte des Essens einpacken, obwohl die Männer der Familie sich bemühten, alles aufzuessen. Junior wurde schlecht, mit ihm musste ich einen kurzen Abendspaziergang machen, sonst hätte er wohl über den Tisch gekübelt. Bauchweh hatten wir an dem Abend alle.

Es beschäftigt mich immer noch. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass man freiwillig öfters in das Schnitzelparadies geht. Das ist letzten Endes nur fettige Panade mit Fleischzugabe miesester Qualität. Woher das Fleisch stammt, kann man sich vorstellen, und die Kalorienzahl einer Mahlzeit sollte man sich wohl besser nicht ausrechnen.

Wie kann es sein, dass ein solcher Fraß so erfolgreich sein kann ? Gilt auch beim Essen nur noch „Geiz ist geil“, Hauptsache viel und billig ? Ich finde das ziemlich traurig.








Sonntag, 10. Februar 2013

Sonniger Wintertag




Auch wenn mir der Hundepsaziergang oft lästig ist, weil eigentlich keine Zeit übrig ist, oder ich mal wieder faul bin, so tut die frische Luft einfach immer wieder gut. Ohne Hunde wäre ich heute ganz bestimmt nicht bei eisigen Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein unterwegs gewesen.

Und weil's so schön war, habe ich mir anschließend unter den irritierten Blicken meiner Teenies einen Liegestuhl auf den windgeschützten Südbalkon gestellt und mit Fleecejacke eine Stunde in der wirklich angenehmen Sonne gelesen.

So muss ein Sonntag sein !

Euch allen wünsche ich eine schöne Woche !

Samstag, 9. Februar 2013

Messie


Schon im letzten Jahr gab es Hinweise darauf, dass sich unter meinen Kunden ein Messie befindet. Ein Handwerker musste die Wohnung betreten, was erst nach Einschaltung eines Anwalts und mit erheblichen Drohungen gelang. Dieser Servicetechniker rief mich nach seinem Einsatz vollkommen aufgelöst an und berichtete mir von geradezu unglaublichen Zuständen.

Es gab Gespräche, eindringliche Gespräche. Es gab eine letzte Frist, und tatsächlich kam ein Container. Ich war erleichtert. Der Kunde berichtete mir ausgiebig, dass seine Wohnung geräumt sei, und leider glaubte ich ihm. Der Schutz der Privatsphäre ist mir wichtig, die Unverletzlichkeit der Wohnung ein Grundrecht, und ich hatte ja durch die Containerbestellung einen Grund zu Annahme, dass das schlimmste Chaos beseitigt sein würde. Wie „schön“ und ordentlich oder eben chaotisch jemand wohnt, geht mich nichts an, solange keine Maden ins Treppenhaus kriechen. Daher verzichtete ich auf eine Kontrollbesichtigung der Wohnung.

Bis vor einigen Tagen hatte ich die Angelegenheit abgehakt. Dann aber erzählte mir die Bewohnerin der Wohnung unter dem unordentlichen Herren von seltsamen Rissen in der Zimmerdecke. Ich möge mir das bitte anschauen.

Das war nun ein erhebliches Alarmzeichen vor dem Hintergrund, dass der Messiekunde vor allem Zeitungen hortete. Stapelweise Zeitungen, deckenhoch. Die Fenster können nicht mehr geöffnet werden. Papier ist schwer, Papier in solchen Unmengen kann ein Statikproblem sein. Ich war nun sehr, sehr besorgt.

Um es abzukürzen: Der Kunde gab zu, dass eigentlich nur sein Keller ein wenig geräumt worden war, nicht aber die Wohnung. Mit Unterstützung durch den Anwalt und der Hilfe eines Sozialarbeiters konnte der Zugang erzwungen werden, um mit eigenen Augen grob zu sehen, wie dringend man handeln musste. Denn der Statiker hat selbst in einem eiligen Fall einige Wochen Vorlaufzeit, und der Gedanke an eine durchgebrochene Decke ließ mich nicht mehr schlafen.

Es ist eine Sache, im Fernsehen Messie-Wohnungen zu sehen, aber es fühlt sich komplett anders an, wenn man ganz real zwischen Bergen von Müll steht. Der Kunde, ein an sich seriöser älterer Herr mit einem akademischen Beruf, Single, zurückhaltend, viel auf Reisen, stand verzweifelt zwischen dem ganzen Unrat und stammelte, er habe schon mit dem Aufräumen begonnen, aber das alles seien wichtige Dokumente, das müsse er sortieren, das dauere noch einige Zeit. Wir mussten mit schweren Drohungen verdeutlichen, dass möglicherweise eine Gefahr für das Leben der Nachbarin besteht und wir eine sofortige Räumung fordern. Es wurde ein Termin gesetzt, ich hatte die Adresse eines Entrümpelungsunternehmens dabei und hatte auch schon die Kosten eruiert, mehr können wir momentan nicht tun.

Als der Kunde langatmig erzählte, er müsse auch die alten Zeitungen erst noch durchschauen, wagte ich es, von relativ aktuell scheinenden Stapel, der noch nicht ganz vergilbt und noch nicht deckenhoch war, die oberste Ausgabe zu nehmen.

Sie stammte vom Sommer 2000.

Wir alle hoffen, dass der Kunde nun wirklich räumen lässt, aber unser Optimismus hält sich in Grenzen. Messies können sich von nichts trennen, der Kunde schämt sich zwar offensichtlich, aber er kann den Zustand nicht ändern. Rein rechtlich können wir auch nur sehr schwierig ein Aufräumen erzwingen. Erst muss der Statiker bestätigen, wie gefährlich der Schaden an der Decke ist. Dazu muss der Statiker aber in die Wohnung, und vor allem muss er den Boden sehen. Dieser ist fast vollständig zugemüllt, es gibt nur einen winzigen Schleichweg durch die Wohnung, das „Bett“ des Herrn ist eine Art Kartonstapel . Es ist schrecklich menschenunwürdig, traurig und ja, auch widerlich.

Ich mag diesen Kunden nicht besonders, er ist ein schwieriger Mensch, der sich über alles und jeden beschwert, auch über den Dreck, den Kinder angeblich machen – welche Ironie. Aber trotz der geringen Sympathie tut er mir leid – niemand sollte so vermüllt leben müssen.




Mittwoch, 30. Januar 2013

Bewerbungen

Vor fast vier Jahren habe ich den Schritt gewagt, mein Home-Office zumindest offiziell zu schließen und ein Büro zu mieten. Es war für mich ein großer Schritt, denn die Miete und die Nebenkosten, die Anschaffung der Büroausstattung, die andere Organisation des Arbeits- und Familienalltags und viele Kleinigkeiten waren eine große finanzielle und nervliche Herausforderung.

Es kamen einige Neukunden dazu, so dass sich die Investitionen schnell amortisierten, und wenn nicht die privaten Umstände (Schulgeld *seufz*) gedrängt hätten, hätte ich vermutlich noch einige Zeit auf erträgliche Weise den Spagat zwischen Job und schwierigen Kindern einigermaßen geschafft. So aber mussten die Einnahmen langfristig drastisch steigen. Das klappte, was natürlich sehr erfreulich ist.

Und daher ist nach nur vier Jahren das Büro eigentlich zu klein, die Arbeitsbelastung grenzwertig, und durch die besonderen Ereignisse hier im Landkreis, Stichwort Betrug eines Kollegen, waren die letzten zwei Jahre der helle Wahnsinn.

Es ging nicht mehr anders, ich musste mir eine Sekretärin suchen. Bisher hatte mir eine freiberuflich tätige Bürokraft ab und zu geholfen, was praktisch war, weil ohne feste Verpflichtung, aber leider, leider hat Frau V. inzwischen eine feste Vollzeitstelle angenommen und stand nicht mehr zur Verfügung.

Ähnlich wie vor vier Jahren war dies ein längerer Prozess. Ich rechnete und grübelte, von Monat zu Monat ging es ja irgendwie, aber als ich Anfang des Jahres mit wachsender Verzweiflung die Papierberge betrachtete, raffte ich mich auf und begann mit der Suche.

Ich wünschte mir eine Bürokraft, die Telefonanrufe annehmen und relativ einfach Büroarbeiten erledigen konnte. Mehr als einen Minijob kann ich nicht finanzieren. Als Mutter war für mich völlig klar, dass ich eine andere Mutter bevorzugt einstellen würde. Wer sonst sucht eine Teilzeitstelle ?

Mein erster Weg führte mich zur Online-Stellenbörse des Arbeitsamtes. Eine erste Ernüchterung kam auf. Viele der Stellensuchenden haben unterirdisch schlechte Profile veröffentlich. Ich hatte ja vermutet, dass der jeweilige Sachbearbeiter der Stellensuchenden sich das anschaut, aber das ist sehr offensichtlich nicht der Fall.

Zwei Gesuche machten einen passenden Eindruck, ich registrierte mich auf dem Portal und kontaktierte die Frauen: eine Dame um die sechzig, und eine junge Mutter.

Ich wartete ganz aufgeregt, und es kam auch nach Tagen genau NICHTS.

Schade, aber ich fand dann noch ein interessantes Gesuch in einem Online-Kleinanzeigenmagazin. Eine Frau bot Bürodienste als Selbständige an, was mir sehr zusagte. Kein Bürokratiewahnsinn mit der Minijobzentrale, keine Verpflichtung, das klang gut. Wir telefonierten, die Frau war am Telefon sympathisch, ich war hoch erfreut.

Um 14.00 Uhr waren wir verabredet. Ich hatte viel Zeit investiert und ihr die Unterlagen, die sie bearbeiten sollte, genau vorbereitet, denn sie wollte sofort loslegen.

Und dann wartete ich. Nervös, aber optimistisch.

Dann klingelte das Telefon. Die Bewerberin meinte, sie sei krank und könne leider nicht kommen. Auf meine Frage hin, warum sie sich nicht schon früher gemeldet hatte, meinte sie, sie sei so lange beim Arzt gewesen.

Danke, aber wer sich schon beim ersten Termin als so unzuverlässig erweist, ist nicht geeignet. Das ist die Kurzform, die junge Frau hatte dann doch noch ein paar eigenwillige Vorstellungen.

Wieder war ich gefrustet.

Als nächsten Versuch gab ich in der Jobbörse der Arbeitsagentur ein Stellenangebot auf. Ich bemühte mich, genau zu beschreiben, was ich erwartete, nannte die geplante Arbeitszeit in Stunden und die Vergütung, setzte einen Link auf meine Homepage und nannte natürlich meinen Namen, so dass klar war, dass es sich nicht um eine unseriöse Zeitarbeitsfirma handelte.

Die ersten Bewerbungen kamen innerhalb einer Stunde, und ich freute mich sehr. Jetzt würde ich ganz sicher jemanden finden.

Weil ich dachte, wer schnell ist, hat auch echtes Interesse, kontaktierte ich die erste Bewerberin. Ihr Lebenslauf hatte zwar gewisse Brüche, aber sie schien sympathisch. Nicht ganz nachvollziehbar war mir, warum eine junge und kinderlose Frau mit abgeschlossener Ausbildung nur wenige Stunden pro Woche arbeiten möchte, aber die Bewerberin meinte, das würde sie mir gerne in einem persönlichen Gespräch erklären.

In Ordnung. Vielleicht musste sie die Oma pflegen, studierte nebenbei, oder was auch immer.

Dann kam noch eine Bewerbung von einer jungen Mutter, die einen völlig normalen Lebenslauf hatte. Ausbildung, Job, Jobwechsel, Kinder, und dann viele Jahre eine Teilzeittätigkeit, die meiner Branche sehr nahe kam. Das klang toll, und ich lud auch diese junge Mutter ein.

Zuerst kam die kinderlose junge Frau. Und mir fehlten die Worte. Sie wolle das Leben genießen und nicht so viel arbeiten, ein paar Stunden pro Woche würden ihr reichen. Seit ein paar Monaten schon suche sie eine Stelle, aber das sei so schwierig, würde sie aber nicht belasten, denn mit dem Arbeitslosengeld komme sie gut zurecht. Und sie erzählte wortreich, dass sie als junge Frau sich nicht den Zwängen eines festen Jobs unterwerfen wolle, sondern reisen, feiern, chillen und das Leben genießen. „Wann, wenn nicht jetzt, das können Sie sicher verstehen“, meinte sie sehr ernsthaft.

Kurz kam die Mutter in mir durch und ich war versucht, dem Mädchen die Leviten zu lesen, aber dann konnte ich mich gerade noch beherrschen. Wir stellten fest, dass wir auch zeitlich nicht zusammenkommen würden, denn sie hatte sich gedacht, dass sie vor allem Samstags arbeiten würde, was etwas ungeschickt ist, da sie Kundenanrufe entgegennehmen sollte. Und sie verstand auch, dass ich jemanden für eine langistige Zusammenarbeit suche und nicht als Zwischenstation für die nächste längere Reise.

Kein Problem, sie sei mir da nicht böse, es gehe ihr auch ohne Job gut, meinte die Frau fröhlich. Und zwar ernsthaft fröhlich, ohne den Hauch eines Bedauerns. Ich dagegen war durchaus angesäuert, denn die Dame hatte mir dann doch einige Zeit gestohlen.

Bis zu dem Termin mit der jungen Mutter gingen einige Bewerbungen ein, es wurde richtig arbeitsintensiv, denn ich wollte fair sein und schaute mir alle Unterlagen sorgfältig an und bemühte mich um eine zeitnahe Antwort.

Leider wuchs mein Entsetzen. Es bewarben sich kaum Mütter, sondern vorwiegend junge und kinderlose Frauen mit teilweise bedrückendem Lebenslauf. Da war die Frau, die unter anderem nur einen Monat bei einem Supermarkt beschäftigt war und sehr offensichtlich so schlampig gearbeitet hatte, dass man sie schnellstmöglich gefeuert hatte. Der Rest der Bewerbung sowie die unglaublich zahlreichen Kurzbeschäftigungen waren zu eindeutig – da hatte jemand keinerlei Lust auf Arbeit.

Es gab einige Zeugnisse, die jeder Laie sofort verstehen konnte. Wenn nach einem halben Jahr der Arbeitgeber schreibt, die Zusammenarbeit sei so kurz gewesen, dass man keine Beurteilung abgeben könne, und auch das zu den anderen, gerade noch freundlichen Zeugnissen passt, dann wird das seine Gründe haben.

Die kinderlose Frau um die Vierzig, deren Lebenslauf über mehrere Seiten ging und die mir wortreich erklärte, warum sie so viele Wechsel hatte, wird ebenfalls nur schwer eine Stelle finden, denn wie erklärt man, dass man in diesem Alter noch nie eine Vollzeitstelle innehatte, dafür aber alle zwei Jahre eine Auszeit im Ausland ?

Die vielen, vielen Fehler in den Anschreiben waren teilweise schlimm, und ich gebe zu, als ältere Dame finde ich Online-Bewerbungen mit dem Absender „Susimaus81(at)gmxwebsonstwas.de wirklich schrecklich. Das ist aber heutzutage so, nur ganz, ganz wenige Bewerberinnen hatten seriös klingende Mailadis.

Dann kam der Termin mit der jungen Mutter. Seriöse Mailadi, vollkommen normales Auftreten, keine Tippfehler in der Bewerbung, sympathisch am Telefon.

Ihr ahnt es sicher – es hat sofort gepasst, die erste Zusammenarbeit war vielversprechend, und ich hoffe so sehr, dass das eine langfristige und gute Geschichte wird – ebenso wie die Frau offen sagt, sie sei wahnsinnig froh über die geringe und flexible Arbeitszeit, weil ihre Kinder noch so klein sind.

Und so wird nach nur vier Jahren schon wieder alles anders….









Dienstag, 29. Januar 2013

Vergewaltiger tragen keine Kondome - Petition


Dies gebe ich sehr gerne weiter und habe selbstverständlich bereits unterschrieben:

"Vor kurzem wiesen zwei katholische Kliniken eine vergewaltigte Frau unter dem Hinweis auf die Ethik- Richtlinien des Hauses ab. Die Organisation pro familia bittet Gesundheitsminister Daniel Bahr, die Notfallverhütung an ALLEN deutschen Krankenhäusern sicherzustellen."